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- Doch mit der jüngsten Ankündigung der Schließung der deutschen Goethe-Institute in Rußland endet im 75. Jahr auch eine Ära der deutsch-russischen Kulturbeziehungen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte am 03.09.2026, mit der Maßnahme reagiere man auf das angekündigte Ende für das „Russische Haus“ in Berlin. Die Bundesregierung hatte am 01.09. Rußland für einen versuchten Anschlag mit einer am Flughafen Leipzig/ Halle gefundenen Drohne verantwortlich gemacht, neue Schutzmaßnahmen gegen mögliche russische Angriffe verkündet und die Schließung vom „Russischen Haus“ in Berlin und des russischen Generalkonsulats in Bonn beschlossen. Das Goethe-Institut betreibt neben seiner Hauptstelle in Moskau weitere Kultureinrichtungen in St. Petersburg und Nowosibirsk. Bereits im Mai 2023 setzte die russische Regierung eine strikte Personalobergrenze für deutsche Auslandsvertretungen und Kulturorganisationen durch. Von den 200 Mitarbeitern in den drei Goethe-Instituten durften nur noch 15 tätig bleiben.
Das am 09.08.1951 in München gegründete „Goethe-Institut e.V.“ ist seit den 1960er Jahren die größte und international bekannteste der so genannten Mittlerorganisationen der deutschen auswärtigen Kulturpolitik. Als privater Verein im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes nimmt das Goethe-Institut zusammen mit anderen Einrichtungen wie dem Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst in Bonn die kulturelle Selbstdarstellung Deutschlands im Ausland wahr. Die Zentralverwaltung sitzt in München. Das Goethe-Institut vermittelt in hundert Ländern deutsche Sprache und fördert den Kulturaustausch. In vielen autoritären Regimen werden so auch Schutzräume für einen freien Austausch geschaffen. Aber auch das Goethe-Institut unterliegt seit einigen Jahren einem umfassenden Transformations- und Sparkonzept. So mußten in den vergangenen Jahren mehrere Standorte geschlossen und Stellen abgebaut werden. Dennoch steht demnächst die Eröffnung eines Goethe-Institutes in den USA und in Polen an. Seit 2009 war Gitte Zschoch in verschiedenen Positionen für das Goethe-Institut tätig: In Seoul, Tokio, Johannesburg, zuletzt von 2015 bis 2018 als Gründungsdirektorin des Goethe-Instituts in der Demokratischen Republik Kongo.
1984 in Borna geboren und in Frohburg aufgewachsen, studierte Gitte Zschoch Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihr Master-Studium in Moderner Koreanischer Literatur absolvierte sie an der Seoul National University, Südkorea, wo sie auch als Dozentin für Deutsch tätig war. Anschließend arbeitete sie als freie Kulturmanagerin und Autorin. 2021 war sie in der Kategorie „Kulturmanagerin des Jahres“ beim Europäischen Kulturpreis“ nominiert.
Moderation Carsten Tesch
Redaktion: Angelika Zapf - Die Bühnen Halle sind ein Mehrspartenhaus mit Oper, Ballett, Schauspiel (neues theater und Thalia-Theater), Puppentheater und der Staatskapelle. In fast 1000 Veranstaltungen pro Spielzeit erreichen die Bühnen Halle mehr Besuche, als Halle Einwohner zählt ist im neuen Spielzeitheft für die Saison 2026/2027 zu lesen und lädt ein, Theater als Ort der Erfahrung, des Lernen und des gemeinsamen Erlebens zu besuchen. Und, sich damit einer Kunstform zu nähern, die, wie Klaus Dörr es formuliert, im Moment ihres Entstehens vergeht, die wir nicht festhalten, nicht konservieren, sondern nur erinnern können und gemeinsam darüber sprechen. Vor Beginn der neuen Spielzeit kann das bereits bei einem großen Kulturspektakel im Rahmen des Laternenfestes erprobt werden. Drei Tage präsentieren sich alle fünf Sparten u.a. mit „It´s Showtime! – Eine Musicalrevue“, oder einer Ballettgala, mit „Entführung im Puppentheater“ oder „30-Minuten-Oper: La Traviata“. Traditionell am letzten Augustwochenende feiert die Stadt Halle, bietet zwischen Ziegelwiese und Peißnitzinsel ein vielfältiges Kulturprogramm aus Live-Musik, Kunst, Mitmach-Aktionen und dem klassischen Laternenumzug.
Vielfalt steht über allem und „#Stolz auf Vielfalt“ ist die Überschrift eines breiten Bündnisses, einer Kampagne, die Menschen und Institutionen dazu einlädt, sichtbar zu machen, was Sachsen-Anhalt prägt und verbindet, und zeigt was Kultur ist. Zu diesem Bündnis gehört auch „Kultur ist Vielfalt und Heimat“. Als Kulturinstitution unterstützen die Bühnen Halle dieses Statement für Kunstfreiheit und kulturelle Offenheit und haben es mitunterzeichnet.
In Neustadt an der Weinstraße wurde Klaus Dörr 1961 geboren. In Berlin studierte der gelernte Krankenpfleger Wirtschaftswissenschaften und befaßte sich in seiner Abschlußarbeit mit den „Möglichkeiten und Grenzen ökonomischer Steuerung von Theatern am Beispiel der Berliner Ensemble GmbH“. Nach einem Praktikum wurde Klaus Dörr Assistent des Technischen Direktors am Berliner Ensemble. Anschließend wirkte er als Produzent, Produktionsleiter und Berater für freies und institutionelles Theater. Von 2006 bis 2013 war Klaus Dörr Geschäftsführender Direktor des Maxim Gorki Theaters Berlin und von 2009 bis 2013 zudem stellvertretender Intendant, von 2013 bis 2018 Künstlerischer Direktor und stellvertretender Intendant des Schauspiels Stuttgart und von 2018 bis 2021 Intendant der Volksbühne Berlin. Viele Jahre war Klaus Dörr Gutachter und Berater in Strukturkommissionen. Am 01. Juli 2025 übernahm er die Geschäftsführung der Theater, Oper und Orchester GmbH.
Moderation Ellen Schweda
Redaktion: Angelika Zapf - „Freiheitsaufgaben“ erschien nach seiner Festrede am 07.11.2024, dem 35. Jahrestag der friedlichen Revolution in der DDR im Schloß Bellevue, dem Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten. Diese Rede erfuhr große Aufmerksamkeit, manche Kommentatoren sprachen von einer Sternstunde der Demokratie und verärgerte den Bundespräsidenten. Im Februar 2026 wurde Marke Martin in Leipzig der Werner-Schulz-Preis verliehen. Wie der Bürgerrechtler und langjährige Bundestags- und Europaabgeordnete Werner Schulz, habe Marko Martin vehement die Politik Putins und dessen Angriffskrieg auf die Ukraine angeprangert, so die Begründung der Jury.
Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin setzt die Autorenvereinigung PEN Berlin ihre bereits im vergangenen Jahr viel beachtete Veranstaltungs- und Gesprächsreihe quer durch Deutschland fort und fragt im August in 41 Tagen bei 36 Begegnungen mit 112 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Sachsen-Anhalt: „Ist das noch / schon mein Land? – Gespräche über Heimat“. Anfang Mai war Marko Martin im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe Gast im Theater Görlitz. Seit Februar 2025 produziert er für die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung regelmäßig den podcast „Marko Martin, einmal klingeln“.
2024 erschien im Tropen Sachbuch Verlag zudem der Essayband „Und es geschieht jetzt. Jüdisches Leben nach dem 7. Oktober“. „Marko Martin ist ein wahrer Humanist.“, schrieb die US-amerikanisch-polnische Historikerin und Journalistin Anne Applebaum zu diesem Buch. Marko Martin bereist das Land seit 1991 und war zuletzt im Juni 2026 in Tel Aviv, berichtete von dort über das erste „Gay Pride“ nach dem 7. Oktober 2023 als Fest der Lebensfreude.
Im Burgstädt in Sachsen wurde Marko Martin 1970 in geboren. Seine Eltern waren Zeugen Jehovas, lösten sich jedoch in den 1980er Jahren von diesen. Marko Martin wurde Kriegsdiensttotalverweigerer und erfuhr die Repressalien des Staates namens DDR. Unter anderem wurde ihm die Hochschule verwehrt. Im Mai 1989 siedelte die Familie in die Bundesrepublik Deutschland über und lebte fortan am Bodensee. Im Sommer 1990 reiste der inzwischen 19jährige Abiturient durch die frühere Heimat und veröffentlichte 2004 bei DVA „Sommer 1990. Er studiert zunächst Germanistik, Politikwissenschaft und Geschichte an der TU und FU Berlin. Nach langjährigem Aufenthalt in Paris lebt Marko Martin, sofern nicht auf Reisen, als Schriftsteller und Publizist in Berlin. Zahlreiche Bücher erschienen im Rahmen seiner Reisen rund um den Globus zu Themen wie Welt- und Fremdheitserfahrungen. Marko Martin ist Mitglied des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland und seit 2022 auch Mitglied im PEN Berlin. Er erhielt den Ovid-Preis und den Reiner Kunze-Preis, ist Jury-Mitglied des Karl-Wilhelm Fricke-Preises und war von 2015 bis 2017 auch Jury-Mitglied des Internationalen Literaturpreises - Haus der Kulturen der Welt.
Moderation Julia Hemmerling
Redaktion: Angelika Zapf - Über fünf Jahre arbeiteten Jonas Seufert und Lisa Frühbeis an dem Buch „Schattenleben. Menschen ohne Papiere erzählen“ und führten zahlreiche Interviews mit den Menschen, die in dem Comic sichtbar werden. Wie viele Menschen in Deutschland ohne Aufenthalts-Papiere leben und wie dieses Leben aussieht, darüber gibt es bislang kaum eine öffentliche Debatte. Mitte Juni 2026 trat die größte EU-Asylreform seit 1983 in Kraft. Doch in den immer schärferen Diskussionen um Migration gehen die Lebensbedingungen der Betroffenen unter. Jeder offizielle Kontakt kann ihre Abschiebung bedeuten. Doch der Comic kann überall dorthin, wo Kamera und Mikrofone nicht hinkommen und so konnten die Protagonisten Brienne, Charlotte, Nasir und Dau ihm in langen Gesprächen ihre Geschichten anvertrauen und dennoch anonym bleiben. Die Transfrau Brienne aus Thailand, die dort von ihrer Arbeit als Tierarzthelferin nicht leben konnte, kämpfte sich mutig aus der Zwangsprostitution heraus und erreichte, daß ihre Chefin ins Gefängnis kam. Charlotte aus dem Senegal flüchtete vor ihrem Onkel, der sie vergewaltigt hatte. In Mainz mußte sie Jahre später ihr Kind beinahe auf der Straße zur Welt bringen, da sie keinen Arzt aufsuchen konnte. Nasir, geboren in Somalia und 25 Jahre in Deutschland lebend, hat noch immer keine Aufenthaltspapiere, obwohl er die Pfalz längst sein Zuhause nennt und Dao erlebte auf ihrer Irrfahrt durch Europa, um ihre Eltern daheim finanziell zu unterstützen, neben regelrechter Ausbeutung in der vietnamesischen Community auch große Solidarität.
Jonas Seufert, geboren 1989 in Würzburg, lebt heute in Leipzig. Von 2011 bis 2015 studierte er „Internationale Beziehungen“ an der TU Dresden und absolvierte ein Auslandssemester in der Türkei. Anschließend besuchte er bis 2018 die Deutsche Journalistenschule und die Ludwig-Maximilians-Universität in München. 2019 erhielt Jonas Seufert den Grimme Online Award für die Bürgerrecherche zusammen mit Correctiv „Wem gehört Hamburg?“. Zahlreiche Preise und Stipendien folgten über die Jahre. 2019 bis 2021 war er Mitbegründer von „Hermes Baby - Gemeinschaft für gute Geschichten“. 2020 bis 2022 wirkte Jonas Seufert als Co-Host und Coach für den Knast-Podcast „Zweidrittel FM“ und 2024 als Autor für den Dokumentarfilm „The Pickers“. Zehn Jahre arbeitete Jonas Seufert zudem als freier Reporter u.a. für DIE ZEIT, Süddeutsche Zeitung, ARD, ZDF, Correctiv und Taz. 2024 hatte er ein Stipendium der Otto-Brenner-Stiftung inne. 2025 war er Journalist in Residence am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung Köln. Seit 2025 ist Jonas Seufert Teil des Investigativ-Teams von FragDenStaat. Seine journalistische Arbeit konzentriert sich auf die Themen soziale Ungleichheit, Migration, prekäre Arbeit und globale Lieferketten.
Moderation Carsten Tesch
Redaktion: Angelika Zapf - 1.248 UNESCO-Welterbestätten gibt es derzeit in 170 Ländern weltweit. Sachsen-Anhalt hat mit fünf UNESCO-Welterbestätten die meisten in einem ostdeutschen Bundesland aufzuweisen: Die mittelalterlich geprägte Stadt Quedlinburg, der Dom in Naumburg, die Lutherstätten in Wittenberg und Eisleben, das Gartenreich Dessau-Wörlitz und das Bauhaus in Dessau. Hinzu kommt das UNESCO Weltdokumentenerbe wie die Himmelsscheibe von Nebra aus der frühen Bronzezeit oder seit vergangenem Jahr der literarische Nachlaß des Philosophen Friedrich Nietzsche. Das 1994 als Welterbestadt aufgenommene Quedlinburg ist ein Gesamtkunstwerk. Hier treffen mittelalterliche Stadtstruktur und ein bemerkenswertes Denkmal der Stadtbaugeschichte aufeinander. An die 2.100 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten prägen noch heute das Bild der Stadt.
In Quedlinburg wurde Dieter König 1949 geboren und da lebt er noch immer. Im Mai 1961, da war er elf Jahre alt, wurde zwischen Quedlinburg und der französischen Stadt Aulnoye-Aymeries eine Städtepartnerschaft geschlossen, zu der auch ein Schüleraustausch gehören sollte. Mit dem Mauerbau am 13.08.1961 war die nur noch teilweise und einseitig möglich. Anders im Westen Deutschlands, da unterzeichneten im Januar 1963 Bundeskanzler Konrad Adenauer und Präsident Charles de Gaulle den Élysée-Vertrag, der bis heute den Grundstein der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich legte. Im Osten Deutschlands, nach der politischen Wende 1989/ 90, konnte in Quedlinburg erst 1991 diese Städtepartnerschaft vom Mai 1961 durch die Bürgermeister beider Städte erneuert werden. 1998 wurde der Verein zur Förderung der Freundschaft zwischen der deutschen Stadt Quedlinburg und der französischen Stadt Aulnoye-Aymeries gegründet. Dieter König ist Gründungsmitglied und seit 2000 im Ehrenamt Vorsitzender des Vereins. Seine Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland zu erhalten, sie mit Leben zu füllen und zu festigen. Dieter Königs erste Begegnung mit den Franzosen lag im Jahr 1994: Ein Staffellauf über 730 Kilometer in 5 Tagen von Aulnoye-Aymeries nahe der belgischen Grenze bis nach Quedlinburg. Er war dabei und organsierte 1996 den zweiten Lauf in umgekehrter Richtung. Neben dem Sport kamen Kulinarik und Kultur hinzu. Dieter König organisierte den fortan jährlichen Besuch der Franzosen zum Weihnachtsmarkt in Quedlinburg, zu Wein- und Käseverkostungen, zu Begegnungen am Tag des offenen Denkmals. Chöre beider Städte singen über Jahre zusammen und in jeder der beiden Städte gibt es eine Straße mit dem Namen der Partnerstadt. In diesem Jahr feierten sie zusammen 65 Jahre Bestehen dies Vertrags.
Moderation Carsten Tesch
Redaktion: Angelika Zapf
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